Webcam Dohlennest 2013 bis 2016

Im Jahr 2013 legte das Weibchen am 3. Mai vier Eier, die es daraufhin bebrütete. Am 24. Mai schlüpften drei der Jungen - doch schon wenige Tage später war das Nest leer.
Im Frühling 2013 waren die Bedingungen für eine erfolgreiche Aufzucht von Jungen für viele Vögel nicht optimal. Es ist möglich, dass die Altvögel das Nest selber geräumt und die Jungen aufgegeben haben, oder dass Rabenkrähen das Nest ausraubten.

Im Jahr 2014 sollte es besser klappen. Das Weibchen legte früh, am 24. April waren fünf Eier im Nest zu sehen. Am 9. Mai schlüpften vier Junge. Sie gediehen gut und hielten mit ihrem gesunden Appetit die Altvögel in Atem.
Ab etwa 10. Juni war einiges los im Nest, die Jungdohlen waren quicklebendig, rumorten herum und streckten ihre Flügel. Es war klar, dass sie in den nächsten Tagen ihr Nest verlassen würden. Wir fragten uns: Schafft es auch das Nesthäkchen? Dann, Anfang der dritten Woche im Juni, sind die jungen Dohlen ausgeflogen.
Noch etwa fünf Wochen sind sie von den Altvögeln abhängig. Dann müssen sie sich ihre Nahrung selber suchen. Mit anderen Jungvögeln schliessen sie sich zu grossen Gruppen zusammen. Im Alter von etwa einem Jahr wählen die jungen Dohlen ihre Partner, brüten in der Regel aber erst ein Jahr später. Dohlen haben also eine "Verlobungszeit" von einem ganzen Jahr! Die Suche nach einem geeigneten Brutplatz beginnt schon gegen Ende des Winters.
Im Frühjahr 2014 zählten die Beobachter der Dohlenkolonie in Landshut 64 Individuen, 26 Paare, davon 19 sichere Brutpaare. Das entspricht einer leichten Zunahme gegenüber 2013!

Auch im Jahr 2015 konnte ab April beobachtet werden, wie ein Dohlenpärchen im Nistkasten das Nest für die Brut vorbereitete. Am 22. April waren sechs Eier zu erspähen und um den 13. Mai schlüpften vier Jungdohlen. Das Nesthäkchen musste sich von Anfang an gegen die grösseren und aktiveren Geschwister behaupten - doch auch es schaffte es! Einen Monat später flogen die vier Jungvögel bei sonnigem und warmem Wetter hinaus in den Schlosspark und ins Dohlendasein.

Schon im April 2016 konnte der Nistkasten im Schlossturm frühe Besucher beherbergen, ein Dohlenpärchen hatte begonnen Nistmaterial einzutragen. Am 21. April zeigte die installierte Webcam das erste Ei im Nest. Es folgten noch drei weitere Eier, doch nur ein Jungvogel schlüpfte, am 17. Mai war es soweit. Die junge Dohle gedieh prächtig. Drei Wochen später streckte sie schon ungeduldig ihre Flügel, schaute hinaus und um den 15. Juni wagte sie, begleitet von ihren Eltern, den ersten Flug in die Kronen der nahen Schlosshof-Platanen.

 

Webcam Dohlennest 2012

Bild gemalt von Ardiana, www.kidswest.ch

Schon Ende März konnte via Webcam beobachtet werden, dass der Nistkasten im Schlossturm von einem Graudohlenpärchen besetzt war. Man konnte sich darauf freuen, beim erfolgreichen Nisten und Brüten aus nächster Nähe zuzusehen. Die Dohlen trugen fingerdicke Äste ins Nest ein, es wurde umgeschichtet und immer wieder neu umgeschichtet. Doch als gegen Ende April die Zeit des Eierlegens kam, tat sich bei unserem Dohlenpärchen nichts - keine Eier! Während des ganzen Monats April waren beide Dohlen im Nest zu sehen gewesen. Ende April sass dann oft nur noch der kleinere Vogel im Nest, der grössere, wahrscheinlich das Männchen, war selten da.

Dann, Mitte Mai, berichtete die Schlosswartin, dass sich ein Ei im Nest befände und das Weibchen es bebrüte. Normalerweise werden brütende Weibchen vom Partner mit Futter versorgt. Das konnte im unserem Fall nicht beobachtet werden. War unsere Graudohle eine „Single Mom“? War es ein junges oder geschwächtes Weibchen, das nicht genug Nährstoffe für die Bildung mehrerer Eier hatte?
Um den 6. Juni überraschte uns das Dohlenweibchen wieder. Das eine Junge war geschlüpft! Auch das Männchen war wieder da und trug dem Weibchen und dem Jungen Futter zu. Aber am 8. Juni gab es eine dramatische Wendung. Die Schlosswartin beobachtete, dass am Morgen kein Junges mehr im Nest war, das Weibchen im Nest das Junge suchte. Das wenige Tage alte Junge wurde dann unterhalb des Nistkastens am Boden leider tot gefunden. Das Nest blieb leer, das Dohlenpärchen war aber ab und zu im Nest zu sehen.

Gemäss Auskunft der Vogelwarte Sempach hat es im Frühjahr 2012 wohl bei vielen Vogelarten Verzögerungen, Unterbrüche oder gar Totalverluste bei Bruten gegeben. Eine der Ursachen kann das nasskalte Wetter im April gewesen sein. Im Laufe der Brutsaison bilden sich die Geschlechtsdrüsen bald wieder zurück und die Produktion weiterer Eier wird unterbunden. Dies kann der Grund gewesen sein, warum unser Weibchen nur ein Ei legte. Deshalb auch sind Ersatzgelege und Zweitbruten bei Rabenvögeln selten.
Bei spät brütenden Dohlen ist der Bruterfolg in der Regel geringer. Je mehr Erfahrung Dohlenpaare im Nestbau, beim Brüten und Füttern haben, desto grösser ist die Chance, dass die Jungen bis zum flügge werden überleben.

Im Jahr 2011 verlief die Brut im Webcam-Nistkasten glücklich. Am 21. April 2011 legte das Weibchen fünf und am 22. April sein sechstes Ei, alle sechs Jungen schlüpften im Zeitraum vom 11. bis zum 13. Mai und die drei überlebenden Jungdohlen flogen am 17. Juni aus.

2011 Die jungen Schloss-Dohlen sind ausgeflogen

Die Webcam am Nistkasten der Graudohlen vom Schlossturm zeigt seit Freitag, 17. Juni ein leeres Nest. Unsere drei Jungdohlen haben sich diesen schönen Sommermorgen ausgesucht, um auszufliegen.

In den Wochen davor ging es in den Nestern der Dohlenkolonie auf Schloss Landshut hoch her, es herrschte Aufbruchstimmung! Die Jungen testeten ihre Flügel, fegten im Nest umher und schauten immer wieder zum Flugloch hinaus.

Am Donnerstag vor Ostern hatte das Dohlenweibchen fünf Eier gelegt. Ein sechstes folgte am Tag danach. Ein grosses Gelege!
Drei Junge schlüpften am 11. Mai rasch hintereinander. Das “Nesthäkchen” im sechsten Ei knackte seine Eihülle am 13. Mai gegen Abend. Die folgenden Tage, die kalt und regnerisch waren, haben zwei der jungen Vögel nicht überlebt, sie wurden unterhalb des Nistkastens am Boden gefunden. Bei grossen Gelegen kommt es vor, dass die letzten Jungen, die schlüpfen, zu schwach sind und sterben.
Nach dem Schlüpfen wurden die fast nackten Jungen vom Dohlenweibchen gewärmt. Währenddessen suchte das Männchen nach Nahrung, die im Idealfall aus Grossinsekten wie Käfern oder Raupen besteht. In Städten findet die Dohle davon zu wenig, deshalb werden die Jungen auch mit Abfallresten gefüttert. Dohlen sind nicht wählerisch, sie fressen das, was sie am Boden finden. Doch Abfallresten enthalten zu wenig Nährstoffe für die Jungen, die Aufzucht mit diesem “Junk Food” ist wahrscheinlich einer der Gründe für schlechten Bruterfolg. Unsere Dohlenjungen entwickelten sich prächtig. Keine Spur von Rabeneltern, Dohlen hegen ihren Nachwuchs fürsorglich, davon konnte  man sich mit einem Blick via die Website des Schlosses Landshut selber überzeugen.

Anfang Juni leben noch drei, das vierte, kleinste und schwächste der Nestlinge, fiel am 26. Mai aus dem Nistkasten vom Turm herunter auf den Boden. Wahrscheinlich wurde es aus dem Nest gedrängt.
Die Nestlinge hatten einen Rabenhunger und wurden von den Eltern fleissig gefüttert. Langsam wuchsen die ersten Federn, die Stummelflügel taugten allerdings noch nicht zum fliegen.

Der Zeitpunkt des Ausfliegens hängt von verschiedenen Faktoren ab, die Nestlingszeit bei Dohlen beträgt 30 bis 35 Tage. Wetter und Nahrungsangebot spielen eine wichtige Rolle. Je mehr Junge gefüttert werden müssen, umso länger dauert in der Regel die Nestlingszeit, weil das Nahrungsangebot pro Junges kleiner ist und die Jungen deshalb weniger schnell wachsen.
Der “Abflugtermin” unserer Jungdohlen wurde auf etwa Mitte Juni errechnet. Sie haben sich ziemlich genau an den Fahrplan gehalten, am 17. flogen sie aus!
 
Die Dohle ist die kleinste einheimische Krähenart und steht als „verletzlich“ auf der Roten Liste. Auf 1100 bis 1200 Brutpaare schätzt die Vogelwarte den Bestand in der Schweiz. Die Dohle ist ein typischer Kulturfolger, etwa 60% der Paare brüten heute in Hohlräumen von Gebäuden.
Die Dohlenkolonie in Landshut umfasst etwa 50 bis 60 Vögel. Die Dohlen brüten in Nistkästen im Schlossturm und bei der Wildstation, sie machen ihre Nester aber auch in natürlichen Hohlräumen, zum Beispiel in Bäumen im Schlosspark. Im Jahr 2010 wurden 34 Jungvögel in Nistkästen und etwa gleich viele in Naturhöhlen rund um das Schloss gezählt.

Juni 2011 / Hanspeter Käslin