Die jungen Schloss-Dohlen sind ausgeflogen

Juni 2011

Die Webcam am Nistkasten der Graudohlen vom Schlossturm zeigt seit Freitag, 17. Juni ein leeres Nest. Unsere drei Jungdohlen haben sich diesen schönen Sommermorgen ausgesucht, um auszufliegen.

In den Wochen davor ging es in den Nestern der Dohlenkolonie auf Schloss Landshut hoch her, es herrschte Aufbruchstimmung! Die Jungen testeten ihre Flügel, fegten im Nest umher und schauten immer wieder zum Flugloch hinaus.

Am Donnerstag vor Ostern hatte das Dohlenweibchen fünf Eier gelegt. Ein sechstes folgte am Tag danach. Ein grosses Gelege!
Drei Junge schlüpften am 11. Mai rasch hintereinander. Das “Nesthäkchen” im sechsten Ei knackte seine Eihülle am 13. Mai gegen Abend. Die folgenden Tage, die kalt und regnerisch waren, haben zwei der jungen Vögel nicht überlebt, sie wurden unterhalb des Nistkastens am Boden gefunden. Bei grossen Gelegen kommt es vor, dass die letzten Jungen, die schlüpfen, zu schwach sind und sterben.
Nach dem Schlüpfen wurden die fast nackten Jungen vom Dohlenweibchen gewärmt. Währenddessen suchte das Männchen nach Nahrung, die im Idealfall aus Grossinsekten wie Käfern oder Raupen besteht. In Städten findet die Dohle davon zu wenig, deshalb werden die Jungen auch mit Abfallresten gefüttert. Dohlen sind nicht wählerisch, sie fressen das, was sie am Boden finden. Doch Abfallresten enthalten zu wenig Nährstoffe für die Jungen, die Aufzucht mit diesem “Junk Food” ist wahrscheinlich einer der Gründe für schlechten Bruterfolg. Unsere Dohlenjungen entwickelten sich prächtig. Keine Spur von Rabeneltern, Dohlen hegen ihren Nachwuchs fürsorglich, davon konnte  man sich mit einem Blick via die Website des Schlosses Landshut selber überzeugen.

Anfang Juni leben noch drei, das vierte, kleinste und schwächste der Nestlinge, fiel am 26. Mai aus dem Nistkasten vom Turm herunter auf den Boden. Wahrscheinlich wurde es aus dem Nest gedrängt.
Die Nestlinge hatten einen Rabenhunger und wurden von den Eltern fleissig gefüttert. Langsam wuchsen die ersten Federn, die Stummelflügel taugten allerdings noch nicht zum fliegen.

Der Zeitpunkt des Ausfliegens hängt von verschiedenen Faktoren ab, die Nestlingszeit bei Dohlen beträgt 30 bis 35 Tage. Wetter und Nahrungsangebot spielen eine wichtige Rolle. Je mehr Junge gefüttert werden müssen, umso länger dauert in der Regel die Nestlingszeit, weil das Nahrungsangebot pro Junges kleiner ist und die Jungen deshalb weniger schnell wachsen.
Der “Abflugtermin” unserer Jungdohlen wurde auf etwa Mitte Juni errechnet. Sie haben sich ziemlich genau an den Fahrplan gehalten, am 17. flogen sie aus!
 
Die Dohle ist die kleinste einheimische Krähenart und steht als „verletzlich“ auf der Roten Liste. Auf 1100 bis 1200 Brutpaare schätzt die Vogelwarte den Bestand in der Schweiz. Die Dohle ist ein typischer Kulturfolger, etwa 60% der Paare brüten heute in Hohlräumen von Gebäuden.
Die Dohlenkolonie in Landshut umfasst etwa 50 bis 60 Vögel. Die Dohlen brüten in Nistkästen im Schlossturm und bei der Wildstation, sie machen ihre Nester aber auch in natürlichen Hohlräumen, zum Beispiel in Bäumen im Schlosspark. Vergangenes Jahr (2010) wurden 34 Jungvögel in Nistkästen und etwa gleich viele in Naturhöhlen rund um das Schloss gezählt.