Zur Geschichte der Gesellschaft Schweizerisches Museum für Wild und Jagd Schloss Landshut

Von Dr.Hansjörg Blankenhorn

Die Gesellschaft

Die Gesellschaft Schweizerisches Museum für Jagd und Wild ist ein Förderverein der schweizerischen Jägerschaft und hat zum Ziel, das einzige Jagdmuseum in der Schweiz im Schloss Landshut zu unterstützen. Sie führt daneben auch die Schweizerische Jagdbibliothek und sorgt für die Archivierung von Akten zahlreicher schweizerischer Jagdorganisationen. Sie hat den Status einer gemeinnützigen Stiftung.

Die Anfänge

Bald nach dem zweiten Weltkrieg kam die Idee der Schaffung eines Schweizerischen Jagdmuseums auf. Es kann nicht verwundern, dass es einige wenige, bekannte und prominente Jäger waren, die dabei die Initiative ergriffen. Unter der Führung von Dr. Mauritz Lustenberger, einem bekannten Luzerner Jäger und Mitglied des internationalen Ordens zum „Silbernen Bruch“, Grossrat , Oberst und Direktor, bemühte man sich darum, ein für ein solches Museum geeignetes Objekt zu finden. Und man wurde fündig im Schloss Heidegg in Gelfingen im Luzerner Seetal. Dieses Schloss gehörte seit 1949 dem Kanton Luzern und beherbergt seit dann eine Ausstellung über die Wohnkultur seiner ehemaligen Besitzer. 

Dr. Mauritz Lustenberger

Der äusserst umtriebige damalige Konservator des Schlosses, Dr. Gottfried Bösch, seines Zeichens Kunsthistoriker, erkannte bald, dass mit dieser Ausstellung allein eine Steigerung der Besucherzahlen und damit der finanziellen Erträge nicht zu realisieren war und suchte nach Ergänzungen. Das Projekt eines Schweizerischen Jagdmuseums kam ihm also gerade recht. Und so wurde das einzige Schweizer Museum über die Jagd schon 1956 im Schloss Heidegg eingerichtet und im Beisein von Herrn Bundesrat Etter feierlich eröffnet. Es waren also fast von Anfang an zwei Ausstellungen im Schloss zu sehen, nämlich eine heimatkundliche zur Wohnkultur der ehemaligen Besitzer und eben das Jagdmuseum, das zunächst, dem Zeitgeist entsprechend, vor allem Trophäen und Jagdgeräte umfasste.

Dr. Gottfried Boesch

Ebenfalls und zur gleichen Zeit, nämlich am 26.Mai 1956, wurde auch die „Gesellschaft zur Förderung des Schweizerischen Museums für Jagd und Wildschutz und seiner Bestrebungen“ in Gelfingen LU gegründet. In ihrem Zweckartikel hält die Gesellschaft folgendes fest:

Die Gesellschaft bezweckt: Das Schweizerische Museum für Jagd und Wildschutz ausbauen, um durch dasselbe die Achtung vor der Schöpfung in ihrer Gesamtheit zu vertiefen, das Verständnis für die Jagd im Sinne der Weidgerechtigkeit zu fördern, Jäger auszubilden, Gelegenheit zur Durchführung von Kursen für Jagdschutzorgane zu geben, das Gebrauchshundewesen zu fördern und Gegensätze zwischen Land-und Forstwirtschaft und Jagd auszugleichen. Zusätzlich dazu sollten temporäre Ausstellungen organisiert und durch Demonstrationen, Vorträge und Publikationen ergänzt werden.

Man hatte sich also einiges vorgenommen. Und es kam rasch einiges zusammen: Die „Sammlung Laroche“, eine sehr umfangreiche und sehr wertvolle Sammlung von französischen Jagdwaffen und –geräten aus dem 17.Jahrhundert. Ebenso eine ganze Reihe von Jagdtrophäen aus verschiedenen Quellen. Schliesslich noch eine Ausstellung über die Wiedereinwanderung des Rothirsches in die Schweiz seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Und so füllten sich die für das neue Museum vorgesehene Räume immer mehr. Leider galt das aber nicht auch für die Besucherkassen im Schloss Heidegg. Der Besuch des Schlosses blieb weiterhin hinter den Erwartungen vor allem des Kurators zurück. Die Gesellschaft wollte naturgemäss einen weiteren Ausbau des Jagdmuseums, der Kurator auf der anderen Seite war nicht bereit, zugunsten der Jagd auf weitere Räume zu verzichten, in denen er seine heimatkundlichen Ausstellungen plante. Und so erwuchs aus der anfänglich euphorischen Zusammenarbeit eine immer stärker werdende Kontroverse und schliesslich ein Kampf um die begrenzten räumlichen Ressourcen im Schloss.

Das Aufkommen der Wildbiologie

Obwohl es in unserem nördlichen Nachbarland schon vor dem II.Weltkrieg vor allem forstliche Institute gab, die sich mit der Erforschung von einheimischen Wildtieren befassten, so richtig in Schwung kam diese Forschungsrichtung erst ab den 50er Jahren. Es gab bald, namentlich in Göttingen, Giessen und vor allem in München, aber auch in Wien, Hochschulinstitute, an denen mit grossem Eifer und Enthusiasmus an Wildtieren geforscht wurde. Und es folgten Institute an unseren schweizerischen Universitäten in Basel, Zürich, Neuenburg, Lausanne und Bern.

Warum ist diese Entwicklung von Bedeutung? Weil die Ergebnisse dieser Forschungen sehr schnell Ihren Niederschlag in der jagdlichen Praxis, aber auch in der Gesetzgebung fanden. Gleichzeitig wurde das Interesse einer weiteren Öffentlichkeit an den einheimischen Wildtieren immer grösser. Es war den führenden Mitgliedern der Gesellschaft klar, dass ein Museum von gesamtschweizerischer Bedeutung nicht darum herum kommen würde, neben Trophäen und Jagdgeräten auch die bei uns lebenden, jagdbaren und geschützten Wildtiere, resp. deren Verhalten, Lebensweise, Ernährung und Ansprüche an den Lebensraum würde präsentieren müssen. Aber im Schloss Heidegg gab es keinen Platz dafür. Das hat im Vorstand der Gesellschaft zu einer zunehmenden Frustration geführt. Man begann, nach Alternativen Ausschau zu halten. Dies drückte sich unter anderem in einer zunehmenden Anzahl von Berner Vertretern im Vorstand aus. Auch hier waren Mitglieder des Silbernen Bruchs an vorderster Stelle aktiv, so die späteren Präsidenten der Gesellschaft, Hans Baumann von Thun und Erwin Lüscher von Ortsschwaben

Erwin Lüscher und Hans Baumann

aber auch der Wildbiologe und spätere Direktor des Tierparks Dählhölzli in Bern, Dr. Hannes Sägesser. Sie alle waren hervorragend vernetzt, bis in die Regierung des Kantons Bern hinein, aber auch in die Burgergemeinde Bern und damit dem Naturhistorischen Museum Bern.

Man war sich sicher, bald einen geeigneten Ort für das Museum im Kanton Bern zu finden. Dieses Mal wollte man aber auf sicher gehen und auch für eine entsprechende, fachliche und professionelle Kuratierung des Museums sorgen. Dazu wurde eben dieses Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern vorgesehen. Tatsächlich fand sich schliesslich mit dem Schloss Landshut in Utzenstorf, dem einzigen Wasserschloss des Kantons Bern, auch ein überaus geeigneter, sehr pittoresker und geschichtsträchtiger neuer Standort für das Jagdmuseum. Mit dem Kanton Bern als Eigentümer des Schlosses wurde ein Vertrag über die Nutzung des Schlosses ausgehandelt.

Das Museum für Wild und Jagd im Schloss Landshut

1968 war es dann soweit, das neue Museum auf Schloss Landshut wurde eröffnet. Die Sammlung von Jagdwaffen und -geräten wurde vom alten Museum übernommen. Neu dazu kam eine Ausstellung über einheimische Wildtiere, später ergänzt durch eine Präsentation der Falknerei und die Sammlung von Jagdhörnern von Herrn Werner Flachs. Neuer Kurator des Museums wurde der Zoologe Dr. Peter Lüps, seines Zeichens Leiter der Abteilung Wirbeltiere im Naturhistorischen Museum Bern. Damit war personell die Fachkompetenz sowohl in Sachen Wildbiologie wie auch in Ausstellungstechnik sichergestellt.

In den 90er Jahren schliesslich wurde eine umfassende Erneuerung des Museums ins Auge gefasst. Unter dem Impuls des Naturhistorischen Museums und der Mitwirkung der Museumskommission , bestehend aus Mitgliedern unserer Gesellschaft, der Direktion des Naturhistorischen Museums und der Burgergemeinde Bern, wurde ein Konzept zur Erneuerung und Modernisierung der Ausstellung im Schloss erarbeitet. 1997 wurde dann unter der Federführung unserer Gesellschaft – 

Dr. Peter Lüps

insbesondere des Vizepräsidenten Kurt Müller - von ihm wird noch zu berichten sein - eine grossangelegte Spendenaktion bei der schweizerischen Jägerschaft, dem Bund und den Kantonen durchgeführt, die sehr erfolgreich war. Es konnte dem Naturhistorischen Museum ein Betrag von 600‘000.- für die neue Ausstellung zur Verfügung gestellt werden, die 1999 eröffnet wurde und seither fast unverändert geblieben ist. Zusätzlich dazu wurden jedes Jahr – manchmal auch im Abstand von 2 Jahren - Sonderausstellungen zu verschiedenen aktuellen Themen geschaffen. Mehr als 10‘000 Besucher pro Jahr können jeweils gezählt werden. Im Verlauf dieser Aktivitäten wurde auch der Name unserer Gesellschaft geändert in „Gesellschaft Schweizerisches Museum für Wild und Jagd Schloss Landshut“.

Heute werden die permanente Ausstellung und die Sonderaustellungen nach der Pensionierung von Peter Lüps weiterhin vom Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern in der Person von Andreas Ryser fachlich betreut.

Kurt Müller

Die Schweizerische Jagdbibliothek

Schon im Schloss Heidegg kam ein Grundstock von über 400 Fachbüchern zusammen, darunter seltene von bibliophilem Wert, der dann auch nach Schloss Landshut kam. Von einer Bibliothek im eigentlichen Sinn konnte allerdings nicht die Rede sein, die Bücher waren weder registriert, noch konnten sie angeschaut noch ausgeliehen werden. Bewegung in diese Sache kam erst, als die Schwiegertochter von Eugen Wyler, einem der Gründerväter des Ordens zum Silbernen Bruch und sehr bekannten Jagdschriftsteller, 1981 der Gesellschaft die persönliche Bibliothek Wyler’s schenkte. Damit war ein Grundstock für eine Bibliothek gelegt, die diesen Namen auch verdient. Zumal im gleichen Jahr mit Frau Ursula Lüthi-Lindt eine ausgebildete Bibliothekarin mit der Führung der Jagdbibliothek betraut werden konnte. Ueli Lienhard, damals noch Jagd- und Fischereiverwalter des Kantos Aargau, und ein Bücherwurm par excellence, betreute aus dem Vorstand heraus das Bibliothekswesen. Vorausgegangen waren allerdings intensive Diskussionen in der Gesellschaft über Sinn und Zweckmässigkeit eines solchen Schrittes. Der damalige Präsident, Erwin Lüscher, soll anlässlich einer solchen Diskussion geäussert haben, die Jäger würden überhaupt nicht lesen, es sei denn die jährlichen Jagdbetriebsvorschriften, und auch da sei er sich nicht sicher.

Wie dem auch sei, die Jagdbibliothek erfreut sich seither eines regen Zuspruchs, vor allem auch von Jägerinnen und Jägern, die ihre persönliche Bibliothek auflösen und der Gesellschaft schenken. Die Bibliothek fand zunächst Unterschlupf im Büro des Naturhistorischen Museums im Schloss. Dieses Büro war allerdings so versteckt, dass es nur durch Eingeweihte zu finden war. Die Doppelnutzung durch das Naturhistorische Museum und die Jagdbibliothek führte zudem zu äusserst beengten Platzverhältnissen und den entsprechenden, auch zwischenmenschlichen, Problemen. 1987 wurde Marianne Blankenhorn die Nachfolgerin von Frau Lüthi als Bibliothekarin. Die Bibliothek baute damals, der Zeit entsprechend, auf einem Karteikartensystem auf. Und nun kommt wieder Kurt Müller ins Spiel. Er wurde als damaliger Präsident der Schweizerischen Revierjäger (ASJV) 1986 in den Vorstand unserer Gesellschaft gewählt. Auch er, wie die neue Bibliothekarin, beide ebenfalls angefressene „Bücherwürmer“ . Bei Kurt kam, neben der Jagd, noch ein grosses Interesse an jeder Art von elektronischen Hilfsmitteln dazu. Und so fand schon 1989 die elektronische Datenverarbeitung in Form eines „Atari“ ihren Weg in die Jagdbibliothek. Da wies sie bereits einen Bestand von 982 Büchern auf. 1999 konnte auch endlich eine Lösung für die beengten Platzverhältnisse im Schloss gefunden werden. Vorgängig waren nach der Aufgabe der Fasanenzucht im Oekonomiegebäude des Schlosses durch das Jagdinspektorat des Kantons Bern diverse Räumlichkeiten frei geworden. Und so wechselten Marianne Blankenhorn - als „Burgfräulein“ mit einem lachenden und einem weinenden Auge - sowie über 1000 Bücher aus dem Schloss hinunter ins Oekonomiegebäude in den ehemaligen und soeben für die Jagdbibliothek renovierten Brut- und Aufzuchtraum der ehemaligen kantonalen Fasanerie, wo die Bibliothek auch heute noch zu finden ist.

2010 übergab Marianne Blankenhorn, nachdem der Bücherbestand auf weit über 5000 Bände angestiegen war, die Führung der Bibliothek an Anna Hofer von Utzenstorf , die sich bereit erklärt hatte, diese Aufgabe zu übernehmen. Die Jagdbibliothek floriert seither weiter und ist mit fast 9000 Büchern zu einem sehr wichtigen Teil des Tätigkeitsbereiches unserer Gesellschaft geworden. Sie beherbergt darüber hinaus die Archive zahlreicher Schweizerischer Jagdorganisationen, so von JagdSchweiz, SPW, dem „Silbernen Bruch“ und Diana Suisse.

Marianne Blankenhorn (re) und Anna Hofer

Ausblick

Nächstes Jahr wird es also 50 Jahre her sein, dass das Schweizerische Jagdmuseum nach Schloss Landshut gekommen ist. Seither hat sich auch in den Organisationen und Strukturen, in denen sich unsere Gesellschaft bewegt, einiges verändert. Die wichtigste betrifft die Überführung der Besitzverhältnisse des Schlosses vom Kanton Bern in die Stiftung Schloss Landshut, die 1988 erfolgte.

In der Stiftung sind der Kanton Bern, die Gemeinde Utzenstorf, das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern und unsere Gesellschaft vertreten. Sie bildet quasi das Dach, unter dem sich das Museum für Wild und Jagdwie es sich seit 1994 nennt und unsere Gesellschaft inklusive Jagdbibliothek befindet.

Im Stiftungszweck ist unter anderem festgehalten, dass im Schloss eine kulturgeschichtliche Ausstellung zum Leben und Wohnen im 17.Jahrhundert geschaffen werden soll.

Obwohl unsere Gesellschaft im Stiftungsrat vertreten ist, wird das Museum für Wild und Jagd im Stiftungsstatut nicht erwähnt. Wir hoffen, dass diese Unterlassung bei der nächsten Revision der Statuten der Stiftung korrigiert werden kann. Ganz unabhängig davon ergibt sich aus diesem Stiftungszweck eine Situation nicht unähnlich derjenigen, die im Schloss Heidegg damals zu grossen Kontroversen um die Zuteilung von Räumen zu den beiden Museen führte. Dank einer momentan sehr guten Zusammenarbeit im Rahmen der Stiftung, insbesondere mit dem Stiftungsrat, konnte dies bis jetzt vermieden werden.

Seit 1968 ist das Schloss Landshut auch Sitz des internationalen Ordens zum „Silbernen Bruch“, dessen Mitglieder massgebend an der Gründung unserer Gesellschaft und des Aufbaus des Museums für Wild und Jagd beteiligt waren.

Unsere Gesellschaft ist auch seit 1998 Mitglied von Jagdschweiz.

Für die nächsten Jahre ist eine vollständige Neugestaltung der Ausstellung des Museums für Wild und Jagd vorgesehen. Es steht damit unserer Gesellschaft eine sehr grosse Aufgabe und Herausforderung bevor, besonders was die Finanzierung und die Ausgestaltung dieses Vorhabens betrifft.

Dank

Es ist mir ein grosses Anliegen, verschiedenen Personen zu danken, ohne die diese Arbeit nicht fertig geworden wäre: - Herrn lic.phil. Dieter Ruckstuhl, Kurator des Museums Schloss Heidegg , Herrn Kurt Müller Solothurn, Frau Anna Hofer Utzenstorf, Herrn Peter Flückiger Olten und meiner Fau Marianne Blankenhorn.

Säriswil, den 8.5.2017